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Geschrieben von Volker Adam   
Mittwoch, 28 April 2010

Es lebe die Arbeit!

            Das kann man ihr nur wünschen; denn es ist schlecht um sie bestellt. Sie kränkelt und siecht zur Zeit so dahin. Sie wird immer schwächer und weniger, und langsam verschwindet sie ganz aus unserer Gesellschaft. Schon jetzt werden Suchtrupps eingesetzt, um sie aufzuspüren. Das Thema «Arbeitssuche» beschäftig Millionen von Menschen. Viele Politiker machen sich Gedanken darüber, wie und wo man neue Arbeit finden, bez. schaffen kann. Gibt es noch irgendwo ein Land, ein Gebiet, eine Stadt aus der noch etwas an Arbeit heraus zu holen wäre? Es braucht ja nicht unbedingt etwas Sinnvolles zu sein. Hauptsache man ist nicht arbeitslos! 

            Arbeit ist mittlerweile ein großes Kapital geworden. Wer irgendwo eine Arbeitsstelle gefunden hat, der hält sie eisern fest. Er muss sie mit Fäusten und Zähnen verteidigen vor dem Arbeitgeber und vor den anderen, die keine Arbeit finden können. Der Arbeitsplatz muss nicht nur verteidig, er muss auch erhalten werden. Man muss ihm gute Pflege angedeihen lassen, ihm immer neue Nahrung zuführen, sonst verkümmert er und stirbt einem unter den Händen.

            Das Recht auf Arbeit haben wir schon mal; der Arbeitswille wird auch von vielen proklamiert – nur die Arbeit wird langsam knapp. Was hilft uns da das Recht? Was hilft uns der gute Wille. Wer noch irgendwo eine Arbeit zu vergeben hat, der ist der König. Er wird umworben und umschmeichelt. Er wird gelockt und bestochen. Wenn das nichts hilft, dann wird auch Druck ausgeübt. Aber wenn keine Arbeit mehr da ist, sind auch alle Forderungen, alle Drohungen und Strafen nutzlos; dann bleiben auch Streiks und Proteste ohne Erfolg.

            Das Sonderbare ist nur, dass es Menschen gibt, die über zu viel Arbeit klagen. Angeblich hetzen sie den ganzen Tag, sind im Stress, sind ausgebrannt und werden krank. Trotzdem schaffen sie nicht alle ihre Aufgaben. Sie arbeiten für zwei oder für drei, aber sie kommen auf keinen grünen Zweig. Haben sie irgendwo eine geheime Quelle entdeckt? Haben sie vielleicht ihren Mitmenschen die Arbeit gestohlen? Liegt hier ein Verwaltungsfehler vor?

            Am ‘Tag der Arbeit’ wollen wir die Arbeit feiern. Wir wollen froh sein, dass es sie noch gibt! Wir wollen sie aufnehmen, wo wir sie finden. Wir wollen ihr nicht aus dem Wege gehen, sie nicht verachten. Aber wir sollen sie auch nicht vergöttern, uns von ihr beherrschen lassen, sie als einzigen Lebensinhalt verstehen und alles für sie opfern.

            Seit die ersten Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden heißt es: «Verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.»

            Arbeit ist also ein Fluch, eine Strafe für die Rebellion gegen Gott im Paradies. Arbeit ist aber auch ein Geschenk, ein Segen für uns Menschen außerhalb des Paradieses. Sie ist Gott-gewollt und dazu gedacht unseren Lebensunterhalt zu sichdrn. Sie gibt uns Würde und Befriedigung.

            Es lebe die Arbeit!

 

Rüdiger Klaue

 
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