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Verzicht und Stille - ein Beitrag zur Fastenzeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Maria Kapetschny   
Samstag, 24 April 2010
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Verzicht und Stille - ein Beitrag zur Fastenzeit
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Verzicht und Stille – ein Beitrag zur Fastenzeit

Man gönnt sich ja sonst nichts. Bei so viel Arbeit habe ich es mir verdient. Lieber 90 Jahre voller Genuss als 95 Jahre des Verzichts...

Verzichten ist schwer. Man muss sich zwingen, nicht das Schokoladenpapier aufzureißen, nicht zur Zigarette zu greifen. Die Gewohnheit hat große Macht über uns. Die Sorge, etwas zu verpassen. Der Unwille, sich für etwas anzustrengen. Und so erfinden wir viele vernünftige und auch eine ganze Menge unvernünftige Ausreden, nicht verzichten zu müssen.

Die 40 Tage vom 17. Februar bis Ostern sind Fastenzeit. Fasten, das ist eine Form des Verzichts - auf Alkohol, Süßigkeiten, Autofahren, Sex u.a.m. Ursprünglich war das Fasten im Judentum ein Trauerritus oder auch eine Bußhandlung. Man fastete, um Gott um Vergebung für die Untreue des Volkes zu bitten: Herr, vergib uns unsere Sünden... Seit Jesu Tod besinnen sich Christen durch Fasten auf das Leiden und Sterben Jesu Christi. Eine traurige Angelegenheit?

Im Matthäus-Evangelium sagt Jesus: Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinschauen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. […] Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist. (Mt 16,16-18)

Fasten ist kein überholter Ritus, den Jesus ablehnen würde – und Fasten ist auch kein Grund zum Heulen! Es ist eine andere Haltung, die hinter dem bewussten Verzicht steht – kein Jammern, dass es so schwer ist, keine fromme Übung für anderer Leute Augen, keine Entschlackungskur. Das Fasten, von dem Jesus spricht, ist vielmehr etwas Schönes, Fröhliches, ein Hilfsmittel zum Gebet! Vor deinem Vater im Verborgenen fastest du – mit ihm teilst du deine Zeit, deinen Verzicht. Eine große Chance zu mehr Nähe zum Vater im Himmel! Auch, wenn wir uns in dieser Zeit auf das Leiden und Sterben Jesu besinnen – wir wissen um Ostern! Die Auferstehung, das Leben nach dem Tod sind Wegweiser in ein fröhliches Fasten!

Fasten kann bedeuten, Gott gegenüber eine fragende Haltung einzunehmen und zu hören, was er zu sagen hat. Es ist die Skizze eines anderen Alltags, eine andere Perspektive: Was wäre, wenn ich nicht jeden Abend vorm Fernseher einschliefe, sondern mir einen täglichen Spaziergang angewöhnte für diese 40 Tage?

Wer fastet, verzichtet auf Gewohntes, verlässt ausgetretene Pfade und versucht probehalber, etwas anders zu machen als sonst. Eine Weile seine Zeit anders verbringen, Dinge sein lassen, mit denen ich mir im Weg stehe, das macht fröhlich und setzt Kräfte frei. Eine spannende Entdeckungsreise kann daraus werden. Eine erneuernde Art, auf Gott zu hören: Im Verzicht der Fastenzeit liegt die Erinnerung daran, dass wir es nicht immer allein und selber am besten wissen, was gut für uns ist.

Eine fröhliche Fastenzeit und ein freudiges, gesegnetes Ostern wünscht

Pastorin Maria Kapetschny



 
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